Spiegel Online berichtet heute, dass der Proll-Sender RTL II sich von seiner Unterhaltungschefin getrennt habe. Grund dafür seien neue Maßnahmen in der Programmqualität.
Programmqualität? Alleine das Wort in Verbindung mit RTL II zu nennen ist schon ein Paradoxum. Politisch ausgedrückt müsste man derzeit eigentlich sagen, RTL II ist das abgehängte Prekariat des Unterhaltungsfernsehens und scheut vor nichts zurück. Da werden Familien zu öffentlichen Brennpunkten gemischt (Frauentausch), Jugendliche und Heranwachsende Kulturschocks ausgesetzt (Abenteuer Afrika), Pseudopromis ins Wildgehege oder zum Tätowierer geschickt oder, mittlerweile kaum noch ein Wort wert, eine Horde Selbstdarsteller für Wochen in Container gepfercht (Big Brother).
Zu meinem Glück muss ich gestehen, dass ich kaum einer dieser Shows bislang länger als 10 Minuten folgen musste. Aufgesetzt wirkende "Realschauspieler" mit scheinbar auswendig gelernten Texten, die nahezu jeden Satz überbetont aussprechen waren noch nie mein Ding. Vom Niveau, das vielleicht alkohol- oder drogenumnebelten Geistesgrößen zusagen mag, mal ganz zu schweigen.
Dabei finde ich es nichtmal erschreckend, dass es solche Sendungen gibt. Viel erschreckender ist es, dass diese Sendungen anscheinend auch noch genug Zuschauer haben, um die Produktion und Ausstrahlung zu rechtfertigen. Das sagt zumindest einiges über das Niveau weiter Teile der RTL II-Konsumenten aus.
Die Frage ist, wird sich durch den Austausch der Unterhaltungsverantwortlichen etwas ändern? Ich befürchte, da wird sich nicht viel tun. Der Schritt ist meines Erachtens nur Kosmetik. Das Motto "Ist der Ruf erst ruiniert..." wurde bei RTL II schon so lange praktiziert, dass eine vermeintliche Änderung der Qualitätsrichtlinien kaum Erfolg bringen dürfte.
Zudem würde die RTL-Kette mit einer tatsächlichen Verbesserung der Qualität ihrer "Unterschicht-Sparte" massiv Zuschauer an die direkte Konkurrenz abgeben, die mittlerweile ja im Trash-Gewerbe dick nachzieht.
Nehmen wir Pro7 als Beispiel. Der bislang recht passable Unterhaltungssender sinkt vom Niveau her mit seinem Proll-Samstag ins Unterirdische. C-Promis, die irgendwie noch gar keine richtigen Promis waren, machen sich in Solitary zum Affen, wahrscheinlich ohne zu ahnen, dass es sich später in ihrer Vita noch schlechter machen wird. Elton vs Simon ist ein billiger Abklatsch der kanadischen Serie
Kenny vs Spenny, die wenigstens noch authentisch wirkt und nicht als groß angelegter Showact des schlechten Geschmacks daher kommt. League of Balls schließlich gibt exhibitionistisch veranlagten Männern abschließend noch die Chance, sich mal richtig über das Fernsehen der Lächerlichkeit preiszugeben.
Und irgendwann werden sie vielleicht nochmal von "Miss Kunstballons" Sonja Kraus durch ein Talk-Talk-Talk-Special getrieben, garniert mit Kommentaren, welche die ohnehin schon peinlichen Aktionen noch peinlicher machen.
Und weil Pro7 jetzt auf Grotten-TV setzt, wird RTL II mit Sicherheit nicht freiwillig die schlichten Trash-Gemüter ziehen lassen. Leidtragende gibt es ja glücklicherweise nicht - wir können getrost wegzappen oder abschalten.