Ich gestehe, ich bin kein großer Hape Kerkeling-Fan. Zwar beweist er in seinen komischen Rollen immer wieder, dass er tatsächlich die Menschen noch überraschen kann, aber wenn eine seiner Kunstfiguren zu lange präsent sind, werden die Gags immer platter und die Originalität leidet.
Jetzt hat er gerade mal wieder Gespür bewiesen und nimmt die Politik in Form eines satirischen Spielfilms auf die Schippe.
Das alleine ist nicht besonders verwunderlich. Verwunderlich sind die Reaktionen auf diesen Film. Medien nutzen ihn zur politischen Analyse, einigen Journalisten, wie dem Welt-Redakteur Hajo Schumacher, raubt er gar völlig den Realitätssinn, so dass er sich gezwungen sieht, einen "Offenen Brief" an Horst Schlämmer zu verfassen und Politiker lassen sich zu seltsamen, teilweise trotzigen Reaktionen hinreißen, sobald sie mit dem Namen Horst Schlämmer konfrontiert werden.
So meinte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), die Kunstfigur Schlämmer gehe zu Lasten der Politik, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) geht sogar so weit, dass er den politikverdrossenen Bürgern vorwirft, sie würden ja nicht mal mehr die Tageszeitung lesen oder sich anderweitig politisch informieren. Die Tatsache, dass es gerade die Berichte in den Medien sind, die unsere Bürger politikverdrossen machen, die kommt ihm nicht annähernd in den Sinn. Auch das ist eine Art von Realitätsverlust.
Aber wie auch immer, die Politik macht Horst Schlämmer zum Wahlkampfthema. Die einen Politiker lassen sich auf Statistenrollen ein, andere meckern und schimpfen über den Film, der letztlich doch wirklich nur eins ist: ein Film.
Solange unsere Politiker nichts besseres zu tun haben, als eine Sommerkomödie, die meiner persönlich Meinung nach sooo lustig gar nicht ist, im Wahlkampf zu thematisieren, solange müssen sie sich nicht wundern, wenn man ihnen Realitätsverlust bescheinigt.
Beschneidung der Grundrechte, realistische Auseinandersetzung mit der Arbeitslosigkeit, Reformen im Sozialwesen, Reformen im Umweltschutz, militärische Aktivitäten im Ausland - DAS sind Themen, die ich gerne im Wahlkampf zur Diskussion hätte. Horst Schlämmer? Den gibt es in spätestens 6 Monaten auf DVD zum immer wieder anschauen. Der ist nun wirklich kein Wahlkampfthema.
Siehe auch: Süddeutsche Zeitung










Ansehen werde ich ihn mir aber trotzdem, egal was andere sagen.
Die Aufregung mancher Politiker und den offenen Brief fand ich auch übertrieben.
Der Artikel der SZ ist interessant. 18%? Da sieht man mal, wie sehr die die großen Parteien im Moment nicht gemocht werden, wenn so viele Leute einen Komiker wählen würden. Statt sich darüber aufzuregen sollten sie das als Zeichen sehen und etwas dagegen tun.